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Lange Winterabende: Lesen Sie mein Buch: Freiheit ist das Einzige, das zählt!

Palmen, Kakteen und Klapperschlangen [1]

Unsere Reise durch den Süden der USA
Jolanda Caluori's Tagebuch
Montag, 20. 9. 2010

Die Koffer sind gepackt! Die Waage zeigt, man kann’s kaum glauben, pro Koffer nur 15 kg an. Die ganze Bagage wird nochmals gründlich durchforscht. Doch da wir kaum Stiefel, Wintermäntel oder sonstiges schweres Zeug brauchen, verschliessen wir nun endgültig unsere Koffer, und sichern sie mit den knallroten Würth-Gurten. Ab ins Auto damit! Der fleissige Beamte am Churer Bahnhof füllt etliche Zettel und Formulare aus, Stempel da, Stempel dort. Kostet Fr. 20 pro Koffer und Weg.
Nichts ist auf dieser Welt gratis, aber wir sind eine Sorge los! Wenn alles gut geht sehen wir unser Gepäck erst in LA wieder.
Etwas aufgekratzt verbringen wir die folgende Nacht.
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Dienstag, 21 .9. 2010

Noch vor 8:00 wird geduscht, gewaschen und getrocknet, man möchte meinen, dort wo wir hingehen, gäbe es kein Wasser.
Ein trockenes Stück Brot mit einem Beruhigungstee hinunterwürgen, dann ist es endlich 8:30!
Der Zug nach Chur fährt um 8:40. Pünktlich steigen wir mit unserem Handgepäck, bestehend aus einem kleinen Koffer, Rucksack und meiner unentbehrlichen Handtasche, in den roten Bummler ein.
Wir haben uns bereits einen Fensterplatz ergattert, da fällt uns der Brief an Roman ein! Werni verspricht sich zu beeilen. Während er munter einen Briefkasten aufsucht, warte ich wie auf glühenden Kohlen auf seine Rückkehr. Endlich erscheint sein grauer Haarschopf am gegenüber liegenden Fenster. Erleichtert kann unsere Reise weitergehen. Abfahrt 9:09, ab Sargans ohne Halt bis Zürich Hauptbahnhof. (Haben wir alles, was wir für die nächsten 7 Wochen benötigen?)
10:39 Abfahrt zum Flughafen Kloten. Wir verschlingen ein Sandwich, obwohl die Mozzarella wie Karton schmeckt.
12:02 Wir sitzen vor Gate 26 und warten, bis wir aufgerufen werden. Der weitgereiste Herr mir gegenüber schaut mich gelangweilt an, bevor er seine Augen im eher düsteren Raum mit einer teuren Sonnenbrille schützt. In der nachfolgenden Reihe kämpft ein kleiner, weisshaariger Mann mit der goldfarbenen Schnalle seines Ledergurts, die ungefähr so gross ist wie ein Kinderteller. Eine ältere Frau rennt auf, um ihm mütterlich beizustehen. Er lächelt ihr dankbar zu.
Da! Eine grelle Stimme ertönt aus dem Lautsprecher. „Hast du etwas verstanden?“ Hat überhaupt jemand diese Ansage verstanden. Viele Fragezeichen in den Augen der Wartenden. Der Aufruf wird wiederholt: „Flug LX 40, Abflug 13:10, Passagiere nach Los Angeles werden gebeten…!“ Wir raffen eilig unsere sieben Sachen zusammen und schon stehen wir als Erste in der Reihe auf der rechten Seite. Der Mann mit dem auffälligen Gurt stellt sich dicht neben mich, er schaut immer noch so hilflos aus, obwohl er behängt ist mit jenen Kameras, sowie den dazu gehörenden grossen Objektiven. Wunderschöner Indianerschmuck aus Silber und Türkis schmücken seine Handgelenke, vier schmale Reifen insgesamt. Wow! Könnte er wohl ein Ureinwohner Amerikas sein, ein echter Indianer?
Ohne Zeit zu haben, mich weiter mit dieser Frage zu beschäftigen, zeige ich dem uniformierten Mann, der uns aufmunternd anlächelt, meinen Pass und den Boardingpass. Als Erste im Airbus A340-300, verstauen wir unser Gepäck über unseren Plätzen 23 a/b. Wir sind wie ein bisschen für uns, denn vor uns ist eine Wand mit einem Bildschirm, also genug Platz um unsere langen Beine einigermassen zu strecken. Ich blende alles um mich herum aus, denn der Riesenvogel ist gefüllt bis auf den letzten Platz. 12 Stunden ist eine lange Zeit, wenn man hell wach bleibt. Aber wie jeder weiss, geht alles einmal vorüber und so landen wir planmässig um 15:35 in Los Angeles, die Stadt der Engel. (bedeckt, 20°C)
Passkontrolle! Jetzt nur alles richtig machen!
Vor uns das verliebte Pärchen, das ich vor uns in der Business-Klasse sah. Sicher frisch verheiratet, dachte ich auf dem weiten Flug, als der Vorhang einen Blick in die noblere Klasse freigab. Mit elegantem Schritt eilte die junge Schönheit dem graumelierten Mann hinterher zum Schalter, wo sie bereits von einem ernst dreinschauenden Schwarzen erwartet wurden. Mit gesenktem Blick trat sie kurze Zeit später wieder vor uns, hinter die gelbe Linie. Nur verheiratete dürfen gemeinsam an einen Schalter. Sie tat mir irgendwie leid. Dass mir nicht dasselbe passiert, rannte ich beinahe im Laufschritt, alleine an den nächsten freien Schalter, wo auch ich sehr ernst empfangen wurde. Der schwarze Koloss polterte mich an:“ Sie haben zu trockene Hände Madam, sie müssen die Hände anhauchen für das nächste Foto“. Gesagt, getan! „Gut!! Heben sie ihr Kinn, so ist gut, das ist nun auch OK.“ In der Hoffnung das Schlimmste überstanden zu haben, fragt er weiter: “Warum haben sie ein Visum?“ (6 Monate gültig, und unter ähnlicher Tortour erhalten!) „Ich mag Amerika.“ (Wo bleiben die Englischwörter, die ich im Kurs gelernt habe!) „Wie lange bleiben sie hier und wie viel Geld besitzen sie?“ „Geld? Ich weiss nicht wie viel Geld ich habe“ (Geht dich auch nichts an!) „ Sie wissen nicht wie viel Geld sie haben, ich bitte sie!“ Seine Miene heitert sich auch nicht auf als ich verlegen Lächle. Geistesgegenwärtig kehre ich mich um, zeige auf Werni, der nebenan ebenfalls bei der Passkontrolle steht und sage: “Ich habe nichts! Ich bin Hausfrau. Der Mann dort drüben, der hat das Geld.“ (Was ja auch stimmte, denn Werni trug unser gemeinsames Taschengeld in einem Beutel an seinem Gurt.) „Dieser Mann da drüben, der gehört zu ihnen?“ „ Ja, er ist mein Boyfriend!“ Mit einem vielsagenden Lächeln entlässt mich der Beamte. Ich habe es überstanden! Laut lachend über mich selber, begeben wir uns zum Gepäckausgabeband. Amerika, ich komme!
16:15, wir stehen vor der Ankunftshalle und halten mit Sperberaugen Ausschau nach dem Bus von Dollar, der uns zur Autovermietung bringt soll. Ein Mann gibt uns netterweise Auskunft und so steigen wir bald in den kleinen, weissen Bus ein, Werni mit den 2 grossen Koffern hinten, ich schwerbeladen beinahe auf allen Vieren vorne. Der Fahrer lacht mit seinen schneeweissen Zähnen von seinem hohen Sitz zu mir herunter: „Ist es schwer Madam?“ Das bereitgehaltene Trinkgeld für ihn wandert wieder in meiner Tasche. Ich lächle gereizt zurück. Kaum sitzen wir auf dem weichen Polster, drückt der Mann mit den kräftigen Waden mit seinen leuchtend weissen Turnschuhen auf das Gaspedal. An uns sausen Palmen vorbei. „Werni, kneif mich mal!“
Bei der Autovermietung gibt’s eine angenehme Überraschung! „Nehmen sie den Wagen der in Garage Nummer 3 steht. Er ist etwas grösser als den sie gebucht haben, aber wir haben momentan keinen Kleineren.“ Ja dann!
Wir können es kaum glauben! Mit grossen Augen steigen wir in den silbrigen GMC-ACADIA 8-Plätzer. Wir fühlen uns wie die Könige! GPS montieren, linken Fuss vergessen, los geht’s. Leider hat das nahe gelegene Hotel nicht viel mit dem Bild im Internet zu tun, aber es ist sauber und geräumig. Bevor wir in unsere Betten fallen, laufen wir die wenigen Meter ins nächste Kaufhaus um Wasser und etwas Essbares zu besorgen. Der Weg zurück ins Hotel ist uns nicht ganz geheuer, denn in der Zwischenzeit ist es dunkel geworden. Überall begegnen uns breitschultrige Hünen, anscheinend sind wir hier in einem von Afroamerikanern bewohnten Gebiet gelandet. Endlich im Hotelzimmer, sind wir zu müde um zu essen. Kopfkissen aufschütteln, schlafen!
„Bist du wach?“ höre ich mitten in der Nacht Werni’s leise Stimme fragen. Der Jetlag lässt grüssen!
Ein lästiges Kratzen im Hals hindert mich am weiterschlafen. Werni’s Atem dagegen geht wieder gleichmässig, der Glückliche. Wie das so ist, wenn man wach liegt, höre ich auf alle Geräusche in die Dunkelheit hinein. Jemand duscht morgens um 3 Uhr, ein anderer um 4 Uhr. Es ist taghell, anscheinend bin ich wieder eingeschlafen.
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Mittwoch, 22. 9. 2010

Um 7 gibt Frühstück.
Ein winziger Pool ziert den eingezäunten Platz im Patio des Hotels. Metalltische und Stühle laden draussen zum Essen ein. Werni traut sich sogar an das Waffeleisen und zaubert uns zwei knusprige Waffeln mit viel Ahornsirup auf den Teller, die wir mit einem Bärenhunger bis auf die letzten Krümel verschlingen. Zwei rotwangige Äpfel wandern zu den Reisepässen, in meine neu erworbene Umhängetasche. Auf geht’s! Leider zeigt sich Los Angeles von seiner kalten Seite, der Himmel ist bewölkt. Darum entschliessen wir uns, nachdem wir unsere Bagage ins Auto verstaut haben, in die Mojave-Wüste zu fahren. Endlich verengt sich die fünfspurige Autobahn auf drei Spuren in jeder Richtung. Aber davor etliche Kilometer Stau und danach reger Verkehr.
Da! Roter Sand, manchmal einige grüne Büsche. In Palmdale kaufen wir Wasser und was wir sonst noch so brauchen, ein. Es ist herrlich warm, wir fühlen uns wohl, können wieder atmen.
Das kleine Städtchen Mojave empfängt uns zwar mit herrlich blauem Himmel, aber mit einem heftigen Wüstensturm. Die Palmblätter flattern rauschend im Wind. Desert Winds Bestwestern Hotel. Das geräumige Zimmer 209, mit Kühlschrank und Mikrowelle lädt zum Bleiben ein. Der Name des Hotels macht ihm alle Ehre, denn in der Zwischenzeit schlägt sogar das Wasser im Pool Wellen.
Neben dem Hotel steht ein gigantischer Zug zur Abfahrt bereit, er rattert, pfeift und stöhnt.
12:00. Der Lärm hindert uns jedoch nicht daran in die weichen Kissen zu fallen. 19:00 Wie gerädert stehe ich auf, um mich um unser leibliches Wohl zu kümmern. Wir schlafen weiter bis 1:00, essen Trauben und machen Pläne für die bevorstehende Reise. Noch eine halbe Banane und schon fallen uns wieder die Augen zu.
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Donnerstag, 23. 9. 2010

6:30 Die Sonne geht auf! Werni zieht mit seinen Kameras hinaus in den Morgen, um den Zug zu fotografieren, bevor er sich wieder durch die Wüste schlängelt.
Also der Zug nicht Werni, der lässt sich nämlich derweilen im sehr sauberen Frühstückszimmer eine Waffel mit viel Sirup, Rührei, Hamburger und schwarzen Kaffee schmecken, genauso wie ich.
8:00. Heute sind Ghosttowns angesagt.
Nr. 1: Golden Queen, tönt nach Abenteuer und Wilder Westen!
Unsere Reise führt uns über Stock und Stein, bis wir endlich vor einigen verfallenen Hütten stehen. Sogar der obere Teil einer Toilettenschüssel ist zu sehen. Küche und Wohnzimmer sind nicht getrennt. Zwei verwitterte Sofas!
Der Küchenschrank ist mit rot kartiertem Stoff bezogen. Das eigenartige Gefühl, einer könnte, wie damals im Goldrausch mit einer Knarre vor uns stehen, liess uns eilig wieder unser Auto aufsuchen.
Nr. 2: Garlock, Hier wurde damals kein Gold gefunden, sondern das Erz von Randsburg wurde hierhergeführt um es zu zerkleinern.
Ein kleiner bewohnter Hof steht in der Nähe der Ruinen von damals. Ziegen blöken, sogar die Kuh erhebt sich von ihrem schatteigen Plätzchen unter dem einzigen Baum weit und breit. 30°C! Wir müssen lachen, denn die laut rufende Tierschar steht am Zaun, der ihr kleines Reich umgibt. Ich spreche ihnen noch gut zu, bevor wir uns auf den Weg in das kleine, einst bewohnte Garlock machen.
Eine Hütte ist aus Eisenbahnschwellen gezimmert worden, die boten sicheren Schutz gegen Kugelregen. Clever! Ansonsten gibt’s leider nicht viel zu sehen. Etwas enttäuscht fahren wir weiter, natürlich nicht, ohne uns von unseren neuen Freunden, die wieder erwartungsvoll am Zaun stehen, verabschiedet zu haben.
Nr.3: Goler, Zuerst verpassen wir die Einfahrt. Begegnen unterwegs einem Pärchen Road Runners, die das staubige Strässchen überqueren.
Goler ist anscheinend wieder bewohnt, so sieht es wenigstens aus. Darum fahren wir weiter und begegnen diesmal einer ganzen Schar dieser ulkigen Vögel.
Nr.4: Randsburg, Wir fahren auf einer hügeligen Landstrasse zu dem ansehnlichen Städtchen, das mit viel Liebe erhalten wird und heute noch bewohnt wird. Leider sind die Saloons und Shops nur übers Wochenende geöffnet. Das hält uns jedoch nicht davon ab, einen Spaziergang durch die Strassen zu machen. Mein Faible für Sitzbänklein führt mich zum Barbier, denn ich möchte mich dort von Werni ablichten lassen. Leider ist diese herzige Sitzgelegenheit von einer schwarzen Tasche belegt, die sicher den vier Leuten gehört, die laut miteinander debattieren. „Gehört diese Tasche ihnen?“ spreche ich einen von ihnen an. „Warum?“ kam die prompte Antwort. „Sie haben recht, die Dame dort drüben hat sie liegen gelassen, war nicht das erste Mal! Woher kommt ihr Guys?“ So kamen wir ins Gespräch und erfahren, dass der Mann Jim heisst, seine Frau Deutsche ist und die beiden weitern Personen Engländer sind. Ich spreche frisch darauf los, schliesslich habe ich genug für den Englischkurs bezahlt.(Schmunzel!)
„Jims Beruf ist Pfarrer, und ich lebe schon über 55 Jahre in der Nähe von Santa Barbara. Ich könnte mir nicht vorstellen, wieder nach Deutschland zu ziehen, hier ist es so wunder schön!“ erzählt mir Jims Frau in holprigem Deutsch. Es tat ihr sichtlich gut, wieder einmal in ihrer  Muttersprache zu sprechen. Sie schwärmt von der Französischen Schweiz, wohin sie ihre  Cousine zur Besichtigung eines Internats begleitete. Das zweite Pärchen wusste auch einiges zu berichten. Wir lachten und amüsierten uns sehr. Es kam uns vor, wie wenn wir alte Freunde getroffen hätten, so gross war die Herzlichkeit zwischen uns.
Zum Abschied drückte Jim Werni seine Visitenkarte in die Hand. Noch schnell ein Foto zur Erinnerung, Etwas betrübt, nur so wenig Zeit zusammen verbracht zu haben, fahren wir zurück nach Mojave.
Der KFC lockte mit Kartoffelstock, knusprigem Poulet und Salat, dem konnten wir natürlich nicht widerstehen!
Von 14:00 bis 19:00 schlafen wir wie die Murmeltiere.
Munter erforschen wir das Einkaufscenter.
Enchiladas und Frijoles aus der Mikrowelle, stillen unseren Hunger.
23:00 Gute Nacht!
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Freitag, 24. 9. 2010

5:00, es ist noch dunkel, hell wach!
Der Zug neben an rasselt erbärmlich, denn er ist wieder abfahrbereit.
Ich trinke Fencheltee zum Frühstück, muss mich anscheinend erst ans Essen hier gewöhnen.
Packen, ins Auto schleppen, weiter geht’s!
Unterwegs besuchen wir das Twenty Mule Museum in Baron, ein herziges kleines Städtchen in Kalifornien. Es ist kurz vor zehn Uhr, eine freundliche Dame hisst die Amerikanerfahne, draussen im Garten. Das ist das Zeichen, dass das Museum jetzt geöffnet ist. Sie winkt uns einladend zu. Das Museum ist nur klein, beherbergt aber viele wichtige Dinge aus der Zeit, als Maulesel das im Death Valley abgebaute Borax nach Mojave auf den Bahnhof transportierten. Das war um 1860. Zum Beispiel entdecke ich einen ganzen Schrank voller Laborutensilien, samt Chemikalien, was mich natürlich speziell interessiert. Daneben steht ein antikes Badezimmer, eine kleine niedliche Küche, viele Fotos, sogar eine Schreibmaschine, Puppen mit den Damenkleidern von damals. Man kann sich richtig in diese Epoche versetzten. Aber da mittendrin, ein Plakat von Julia Roberts als Erin Brockowich! Auch darüber gibt uns die gesellige, blonde Angestellte gerne Auskunft. Baron wurde in der Zeit der Dreharbeiten extra für diesen Film umbenannt. Denn das Nachbardorf Hinkley, wo dieser Skandal in Wirklichkeit stattfand, gibt es nicht mehr.
Sie und ihr Haus seien damals von diesem Trubel Gottlob verschont geblieben. Aber etliche Häuser des Städtchens sehe man im Film. Sogar die Fassade des Saloons und die des hiesigen Metzgers habe man umbenannt. Die Menschen, die Baron besuchen wollten, seien total verwirrt gewesen. Soo cool! Bevor wir den angenehmen Ort verlassen, fragen wir die zweite Dame hinter dem Tresen nach Unterlagen über die Boraxminen. Sie lächelt uns verschmitzt an, als sie uns nach unserer Herkunft fragt. Sie ist ganz aus dem Häuschen, als sie „Schweiz“ hört. „Ich bin gebürtige Italienerin. Meine Wurzeln sind in der Nähe von Venedig.“ Wir sprechen einige brocken Italienisch miteinander, die sie noch von ihrer Kindheit im Kopf hat. Sie schwärmt von Santa Barbara in Kalifornien, wo sie aufgewachsen ist; ihre Eltern haben sie wegen dieser Stadt Barbara getauft.
Sie schwärmte von den Avocados, die sie immer mit Brot gegessen habe. Ich weiss wovon Barbara spricht, denn in Mexiko wuchs damals ein Avocadobaum mit kleinen, aber herrlich schmeckenden Früchten direkt neben unserem Haus. Zum Abschied drücken wir uns herzlich die Hand, mit dem Versprechen, eine Karte aus der Schweiz zu schreiben. Noch schnell ein Foto zur Erinnerung und weiter geht unsere Reise hinauf zu der grössten Boraxmine der Welt. Hier wird noch heute mit modernsten Mitteln Borax abgetragen.
Das Museum jedoch steht zuoberst auf dem Hügel, von dem wir den gigantischen Steinbruch der Mine sehen können. Vor dem Eingang steht eine aus Kunststoff nachgebildete Karawane, bestehend aus 18 Maultieren und zwei Pferden. Der ganze Tross wurde von zwei Männern geleitet. An die zwei mit Borax beladenen Wagen war ein Wasserwagen angehängt, denn diese mehrtägige Reise durch die Wüste konnte weder Mensch noch Tier ohne Wasser überleben.
Im Innern des Museums ist dargestellt, wofür der Grundstoff Borax benötigt wird. Vom Waschpulver bis….!
Wieder etwas gescheiter fahren wir nach Barstow, wo Werni bereits ein Zimmer für uns gebucht hat.
Die Enttäuschung ist gross, als wir von der eher abweisenden Angestellten erfahren, das Zimmer sei erst in drei Stunden bezugsbereit.
Gekränkt sehen wir uns nach einem anderen Zimmer um.
Hat geklappt! Wir sitzen gemütlich auf dem riesigen Bett, um uns von den Strapazen zu erholen.
Abends bevor die Sonne untergeht, besuchen wir den einst sehr berühmten Bahnhof von Barstow. Einst soll das ansehnliche Gebäude sogar für die Damen und Herren Passagiere ein vorzügliches Restaurant beherbergt haben. Heute steht es eher verlassen da und dient als Museum nur noch zur Erinnerung an die damalige Zeit.
Es ist heiss, weit über 30° Celsius. Wir schleichen den Schatten hinter den antiken Bahnwagen nach. Bald wird es Nacht. Doch vorher landen wir in einem Laden, in dem man alles für 99 Cent kaufen kann. Wir kommen kaum aus dem Staunen heraus und kaufen schlussendlich zwei schöne Teller aus Bakelit die uns auf unserer Reise begleiten dürfen.
3 Uhr in der Nacht: „Wann gibt’s endlich Frühstück“?
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Samstag, 25. 9. 2010

07:00 Gierig füllen wir unsere knurrenden Mägen mit frisch gebackenen Waffeln, übergossen mit reichlich Ahornsirup.
Las Vegas wir kommen!
Wir fahren über Autobahnen, die an die verrückten Bahnen im Europapark erinnern!
Unser Hotel liegt etwas ausserhalb des Trubels, was sich eher als Nachteil herausstellt. Erst die Monorail-Hochbahn (7 $ für 24 Stunden), bringt uns ins Herz der Wüstenstadt. Vergnügt laufen wir am Eifelturm, der Freiheitsstatue und dem goldenen Löwen von MGM vorbei. Schauen in die Schaufenster von Armani, Gucci und Balenciaga.
Landen schlussendlich in einer der vielen Spielhöhlen und gewinnen sogar $1.50! Der Hunger führt uns schlussendlich ins Denny’s, das auf unserem Weg zum Hotel liegt. Mit vollen Mägen gehen wir die wenigen Meter, die uns von unseren bequemen Betten trennen, wo wir dann schnell einschlafen. Gute Nacht Las Vegas, ich träume von dir!
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Sonntag, 26. 9. 2010

Wir haben uns entschlossen ins nahe Valley of Fire zu fahren. Diese Ruhe hier draussen, unglaublich! Wir begeben uns in eine Höhle, um reichlich Wasser zu trinken, nachdem wir unsere Wanderschuhe angezogen haben. Ich entdecke zu Werni’s Freude einige Petroglyphen hoch oben an der Felswand.
Bei 102°F/39°C wandern wir auf einem Trail, der uns zu Mouse’s Tank führen soll. Was das wohl ist, fragen wir uns? „ Jim!“ Unterwegs höre ich eine verzweifelte Frauenstimme immer diesen Namen rufen. Wie ich bin, eile ich zu der blonden Frau, die in Not zu sein scheint. Wie sie mir erzählt ist das ihr Mann der da oben waghalsig in den Felsnischen herumturnt. „Jim, komm herunter, ich bitte dich!“ Der gute Jim klettert noch höher hinauf. Es sieht wirklich gefährlich aus. „Wir sind doch hier nicht in den Schweizer Bergen!“ rufe ich hinauf. So kommen die gebeutelte Ehefrau und ich ins Gespräch. „Woher kommt ihr?“ „Switzerland!“ „Ach darum die Schweizer Berge!“ Wir lachen. Sie kennt Deutschland, war in Paris und Rom. „Die Schweiz muss herrlich sein!“ Was ich nur bestätigen kann und sage weiter: „Ja, wie überall auf der Erde. Und wir sind ein Teil davon. Wir müssen nur die Augen öffnen, um das Schöne zu sehen“. „Ja, da hast du ja so recht!“ sagt sie und wir werden Beide sehr nachdenklich. Für einen Augenblick ist Jim vergessen! Mit vielen guten Wünschen verabschieden wir uns kurz darauf, denn wir haben noch einige Kilometer in dieser brütenden Hitze zurückzulegen. „Jim!“ das Rufen wird immer leiser, je näher wir unserem Ziel kommen. Unterwegs entdecken wir weitere wunderschöne Petroglyphen. 20 Minuten später erreichen wir dann Mouse’s Tank. Eine Frau, die sich mit ihrer Familie dort im Schatten ausruht, knipst Werni und mich bei dem wunderschönen roten Felsen, der wie ein Bienenkorb aussieht.
Wir begeben uns zu dem nahen Wasserloch, wo sich den Erzählungen nach um 1890 ein Paiute, genannt „Little Mouse“ vor dem Sheriff versteckt hielt. Er wurde des Diebstahls beschuldigt und er soll zwei Goldsucher umgebracht haben. „Little Mouse“ hat wirklich existiert, wie viel aber von der Geschichte wahr ist, lässt sich kaum mehr nachprüfen. Mit diesen Gedanken im Kopf, kehren wir zum Auto zurück. Diesen Trail kann ich jedem empfehlen, der hierher kommt, er ist sehr speziell.
16:00 nach Las Vegas.
Ein Wahnsinn, wenn man von der Stille der Wüste zurück in diese Stadt kommt!
Meterlange Strechlimousinen brausen an uns vor bei. Wer sitzt wohl da drinnen? Autokolonnen links und rechts von uns. Hochhäuser, man meint sie ragen bis in den Himmel, Palmen bewegen sich im Wind. Wir wohnen nun im märchenhaften Hotel Exkalibur, mitten in diesem Getümmel! Ehrlicherweise muss ich auch gestehen, dass diese Stadt mir gefällt, denn sie hat etwas ganz Besonderes an sich, man glaubt in einer anderen Welt zu sein. Darum ziehen wir uns schnell um und flanieren dem Strip entlang, so heisst die berühmte Strasse, bis uns die Füsse weh tun. Mitten in den vielen Menschen die von Attraktion zu Attraktion eilen, stehen „Elvis“ und „Marilyn Monroe“ und bieten Karten für eine Show an. In einem Restaurant rauscht ein gigantischer Wasserfall. Ein Hochzeitspärchen sitzt verliebt in einem Park und lässt sich von einem Fotografen ablichten. Sie haben bestimmt vor Kurzem in einer der vielen niedlichen Kapellen, die in ganz Las Vegas verteilt sind, geheiratet. „Viel Glück!“ Die Braut lächelt.
Junge, Alte, Frauen und Männer, alles Mexikaner, die den vorbeischlendern Herren Touristen heimlich einen Flyer in die Hand drücken wollen, zur Verführung zu einem nächtlichen Abenteuer. Wir lachen vergnügt!
Wir fahren wieder eine der vielen Rolltreppe hinauf, laufen über die Brücke, die über die fünfspurige Strasse führt und landen schlussendlich mit einem Bärenhunger beim Chinesen in der Nähe des Hotels.
Trotz der vielen Shows, die wir angeboten bekommen haben, liegen wir total gerädert im weichen Bett und träumen von Dornröschen und den Sieben Zwergen.
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Montag, 27. 9. 2010

8:00. Ich glaube selber kaum, was ich hier zu Papier bringe! Wir haben nämlich unser Frühstück im Del Taco eingenommen. 3 Burritos mittelscharf! ½ l Cola dazu! Habe noch die Portion Pommes vergessen, die wir mit Ketchup verputz haben.
Gut vorbereitet für einen langen Tag, laufen wir bis 14:00 in der Stadt herum. Die Füsse schmerzen! Wir steigen für 5 $ in den klimatisierten Bus, der uns ins Exkalibur zurück bringt.
Nach einem kleinen Schläfchen sind wir wieder fit, um das Rainforest Cafe aufzusuchen, wo wir super gut Dinieren.
Las Vegas bei Nacht! Ein kilometerlanges Lichtermeer.
Die Spielhöhlen sind voll besetzt. Man sieht Damen in teuren Abendkleidern und ihre Begleiter in edlen Anzügen, Touristen in Shorts und ausgetragenen Turnschuhen, alle sind gleichsam Unterwegs, um sich zu amüsieren. Auch heute ist unser Verlangen nach einem gemütlichen Bett grösser, als das Nachtleben von Las Vegas, darum gehen wir bald zurück ins Hotel.
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Dienstag, 28. 9. 2010

Statt wie geplant in den Brice Canyon zu fahren, führt unser Weg nach Page.
Unterwegs sehen wir die Hinweistafel zum Pipe Spring Museum (AZ). Dieses lassen wir uns nicht entgehen! Die sympathische Rangerin führt uns durch das Haus, welches direkt auf einer Quelle gebaut worden ist. Mormonen erstellten dieses Gebäude und bauten es Nach und Nach zu einer Festung aus. Der Staat richtete darin eine Telegrafenstation ein, welche wie überall, von einer jungen, ledigen Frau bedient wurde.
Die Fenster in alle vier Himmelsrichtungen waren zu Schiessscharten verengt worden. Für die Frauen wurden mehrere Notausgänge eingerichtet, damit sich diese vor vorbeiziehenden Fremden wie Soldaten, Indianer oder Outlaws in Sicherheit bringen konnten. In den umliegenden Feldern grasten die vom Besitzer hergebrachten Texas-Longhorn-Rinder. 700 Stück sollen es gewesen sein. Diese mussten täglich gemolken werden. Die Milch wurde zu Käse verarbeitet. Das Fleisch und der Käse versorgten die Mormonen in der weiteren Umgebung. Im Gemüsegarten gediehen Zucchini, Mais, Bohnen und Kürbisse. Sogar Äpfel konnten geerntet werden. Die Vorräte wurden im Keller, um die Mäuse fern zu halten, auf einem an der Decke hängenden hölzernen Karussell gelagert.
Auf der angrenzenden Weide grasen zwei Longhorns und ein Pferd. Das Pferd ist neugierig und wagt sich nach einigem Zureden näher zu uns heran.
Zurück im Museum haben wir mit Ben, einem echten Paiute-Indianer, ein gutes Gespräch. Er erzählt uns, er spreche noch die Sprache seiner Vorfahren. Leider könne er sich nur noch mit drei Mitgliedern seines Stammes in dieser Sprache unterhalten. Die Jungen sprechen Englisch und ziehen die Beschäftigung mit PC und Game-Boy vor. Zum Abschluss willigt Ben ein, sich zusammen mit mir fotografieren zu lassen. Was für eine Ehre für mich! Ein lange gehegter Traum geht in Erfüllung!
„Ihnen und Ihrem Volk wünschen wir Glück und alles Gute“ sagt Werni zum Abschied. Dabei werden Ben’s Augen feucht vor Rührung. Wir drücken uns die Hände; es ist wie wenn wir einen guten Freund zurück lassen würden.
In Page angekommen fahren wir voller Vorfreude ins uns von früher bekannte Hotel. Leider gibt’s dieses Mal ein Zimmer ohne Seesicht. Trotzdem schlafen wir gut.
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Mittwoch, 29. 9. 2010

So gerne wir auch die kommende Nacht in diesem Hotel verbracht hätten, alle Zimmer sind besetzt, teilt uns der junge Navajo-Indianer mit dem Türkis-Ohrring mit. Es ist schnell gepackt.
Unser nächstes Ziel: Navajo National Monument, Betatakin Ruin.
Auf dem wunderschönen Trail bestaunen wir Cliff Dwellings, eine Ruine versteckt in einer Höhle, hoch oben im Felsen. Diese Menschen müssen Akrobaten gewesen sein.
Ein Indianer verkauft auf Leder gemalte Bilder. Der Künstler zeigt uns stolz ein dickes Fotoalbum seiner Bilder. Wir kaufen einen Sonnenaufgang.
Wir fahren an den herrlichen roten Felsen des Monument Valley's vorbei. Nach insgesamt 7 Stunden Fahrt kommen wir in Bloomfield, New Mexiko, an.
Zuerst müssen wir etwas Essbares finden. Da kommt der KFC gegenüber gerade richtig!
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Donnerstag, 30. 9. 2010

So gerne wir auch die kommende Nacht in diesem Hotel verbracht hätten, alle Zimmer sind besetzt, teilt uns der junge Navajo-Indianer mit dem Türkis-Ohrring mit. Es ist schnell gepackt.
Unser nächstes Ziel: Navajo National Monument, Betatakin Ruin.
Auf dem wunderschönen Trail bestaunen wir Cliff Dwellings, eine Ruine versteckt in einer Höhle, hoch oben im Felsen. Diese Menschen müssen Akrobaten gewesen sein.
Ein Indianer verkauft auf Leder gemalte Bilder. Der Künstler zeigt uns stolz ein dickes Fotoalbum seiner Werke. Wir kaufen einen Sonnenaufgang.
Wir fahren an den herrlichen roten Felsen des Monument Valley's vorbei. Nach insgesamt 7 Stunden Fahrt kommen wir in Bloomfield, New Mexiko, an.
Zuerst müssen wir etwas Essbares finden. Da kommt der KFC gegenüber gerade richtig!
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Donnerstag, 30. 9. 2010

Nach dem Duschen stelle ich fest, dass meine Haare eindeutig zu lang sind. Da ich nirgends einen Coiffeur gesehen habe, nehme ich die Schere und schneide mir die Haare selber. Sieht im Übrigen gut aus.
Heute besuchen wir unsere Lieblings-Ruinen, die Aztek-Ruins, ausserhalb des herzigen Städtchen Aztek.
Eine wunderbare Anlage, mitten in bereits etwas gelb gefärbten Laubbäumen. Der Indian Summer kündet sich an.
Diese Ruinen gehören zur Chaco Canyon Kultur mit Einflüssen von Mesa Verde, 62km im Nord-Westen von hier.
Die rekonstruierte Kiva ist ein heiliger Ort. Altertümliche Klänge lassen einen stiller werden. Die Aztek-Ruins haben ihren Namen von den Spaniern erhalten, sie dachten damals, solche Bauten können nur von den Azteken errichtet worden sein.
Wir geniessen jede Minute in der ruhigen Anasazi-Stätte.
In Aztek finden wir im kühlen Restaurant Rubios Mexikanische Spezialitäten.
Wieder draussen bei 88°F/31°C fahren wir zurück nach Bloomfield, wo uns ebenfalls ein kühles Zimmer erwartet.
Später raffen wir uns auf und fahren in die Nachbarstadt Farmington um unsere Vorräte zu ergänzen. (20km)
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Freitag, 1. 10. 2010

08:30 Bereits auf dem Weg zum Chaco Canyon. (101km)
Gelb leuchtende Blumen wachsen am Strassenrand.
10:00, wir laufen mit unseren guten Schuhen auf dem WIJIJI- Trail. (30°C)
Irritiert schauen wir nach hinten! Ein Velofahrer überholt uns auf dem holprigen Strässchen. Wir winken ihm zu, ziehen unsere Sonnenhüte wieder tiefer ins Gesicht und laufen die Strecke weiter bis zu der Ruine, die wir schon von weitem sehen. Der Biker ist aus Nord-Kalifornien, wie er uns später erzählt. Sein Bus steht ganz in der Nähe auf einem schönen Campground, den wir auch schon inspiziert haben. Gemeinsam suchen wir am nahen roten Felsen nach Petroglyphen und entdecken dann hocherfreut einige interessante Exemplare.
Wir verbringen eine kurzweilige Stunde zusammen, bis unsere Wege sich wieder trennen. Wir trinken erst mal viel Wasser, das wir vor lauter reden fast vergessen haben, während unser neuer Bekannter sich elastisch aufs Rad schwingt.
Dann laufen wir zurück zum Auto, wo uns in der Kühlbox ein knackiger Pouletsalat erwartet, den wir unter einem Sonnenschutz auf dem Picknickplatz gemütlich verspeisen. Währenddessen geniessen wir die einmalige Sicht auf den Fajada Butte, den heiligen Berg der Indianer. Eine herrliche Ruhe umgibt uns, manchmal ein Summen einer Biene oder das Pfeifen eines Vogels, sonst Stille.
Frisch gestärkt fahren wir weiter zum Pueblo Bonito, das wir von einer früheren Reise her kennen. Zuerst erkunden wir den Petrplyph- Trail und finden die Zeichen, nach denen wir suchen. Erleichtert ziehe ich den Hut ab, denn die Sonne wird kurz von einer Wolke bedeckt. Ein kühles Windchen bläst, herrlich! Weiter hinten sehen wir gigantische Wolken näher ziehen. Mit grossen Schritten laufen wir zurück zum Auto. Noch ein kurzer Halt beim Chacoan Stairway, man sieht da oben deutlich eine breite Treppe in den Felsen gehauen, schon erstaunlich. Wie ist das möglich, mit den primitiven Werkzeugen der damaligen Zeit?
Zurück nach Bloomfield. Unterwegs ertönen wunderschöne Indianische Klänge aus dem Lautsprecher des Radios.
Ein langer Tag geht zu Ende. Unsere Gedanken weilen, wie so oft in der letzten Zeit, bei den Anasazi und ihren Nachkommen.
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Samstag, 2. 10. 2010

Werni eilt nach dem Frühstück zum Barbier, denn seine Haare sind kaum mehr zu bändigen, vielleicht liegt es am weichen Wasser. Entmutigt kommt er zurück, denn er sollte etwa eine Stunde warten. Ich fackle nicht Lange! Her mit der Schere! Schnipp, schnipp! Man staune! Werni sieht wieder „wie neu“ aus!
Heute ist ein spezieller Tag, denn wir besuchen ein POWWOW!
11:00. Gut sind wir früher als geplant in Shiprock. Die Strassen auf beiden Seiten sind vollkommen verstopft. Nichts geht mehr! Kurzer Hand stellen wir den Wagen an den Strassenrand, wo noch weitere Autos stehen und laufen die 4 Kilometer zu Fuss zum Festplatz. Der Schweiss läuft uns trotz der Hüte in die Stirne. Die Autokolonne neben uns bewegt sich nur sehr langsam weiter.
Nach ungefähr 2 Kilometern ein riesiger Festplatz, mit vielen Toiletten. Da will ich unbedingt hin! Doch wie es halt manchmal ist im Leben, man muss warten. Lange warten! Lastwagen entleeren genau jetzt die Stillen Örtchen! Von einem Bein auf das andere Stehend, bestaune ich die Indianerfrauen, mit ihrem wunderschönen Türkischschmuck, die vor oder hinter mir in der Kolonne stehen.
Endlich ist es so weit! 30 Minuten sind vergangen.
Erleichtert wandern wir weiter, dem Riesenrad entgegen, das in den Himmel ragt. Wenige Meter weiter vorne steht eine Tafel mit der Aufschrift „Bamboo House“. Das kann nicht wahr sein! Genau in diesem Restaurant haben wir im 2008 gegessen.
Obwohl es da drinnen wie in einer Abstellkammer aussieht, ist das Buffet vorzüglich. Wir füllen unsere Teller mit den vielen Köstlichkeiten und trinken ein grosses Glas kühles Sprite dazu. Wer hätte gedacht, dass wir nochmals hier landen?
Nach einem Glücks-Cakes nehmen wir frisch gestärkt die letzten Meter unter die Füsse. Über eine Eisenbrücke, dann nach links! Eine Indianerin hat uns den Weg beschrieben. Beim Eingang Nummer 6 bekommen wir ein Ticket für 8$.
Pow-Wow wir kommen!
Eine halsbrecherische Achterbahn lädt zum mitfahren mit! Wir machen einen grossen Bogen und landen voller Glück auf einer Holzbank in der vordersten Reihe der Tribüne eines kleinen Stadions. Jetzt aber! Eine Reihe Reiter steht in gerader Haltung vor uns, die Nationalhymne ertönt, ein feierlicher Moment. Ein Native-American betet in seiner Sprache ins Mikrofon. Der Mann neben mir mit der markanten Hakennase schaut andächtig in den Himmel. Stille!
„Das Rodeo kann los gehen!“ Die Männer geben ihren Pferden die Sporen und schwingen gleichzeitig ihre Lassos. Noch bevor die Kälber zum Einfangen aus der Box gelassen werden, verlassen wir etwas irritiert den Platz.
Wo um alles in der Welt tanzen die Indianer?
Ein junger Navajo zeigt lächelnd auf den Wettkampfplatz wenige Meter weiter hinten. Leider sind alle Schattenplätze auf der Tribüne besetzt, wir sind auch spät dran, wen wundert’s?
Tausende Indianer sind hier versammelt. Nur 6 „Weisse“ haben wir den ganzen Tag gesehen.
Viele Tänzer und Tänzerinnen in bezaubernden, farbigen Gewändern bewegen sich rhythmisch zu den Klängen der Trommeln und den Gesängen ihrer Vorfahren um das Zentrum des Platzes. Sogar die Kleinsten sind mit dabei, auch sie tragen Federschmuck und kunstvoll bestickte Kleider. Da, ein Regenmacher! Er beherrscht die schwierigen Tanzschritte seiner Vorfahren besonders gut. Ich schaue diesen Menschen, die bei diesem Tanzwettbewerb mitmachen, begeistert zu. Die Musik reisst auch mich mit. Werni knipst verhalten, denn wir wissen nicht, ob es gestattet ist. Mutig fragt er einen jungen Teilnehmer mit ausserordentlich schönem Kostüm und Kopfschmuck, ob er ihn ablichten dürfe. Zu unserem Erstaunen stellt er sich sofort in Pose. Sein Gesicht nimmt augenblicklich einen stolzen Ausdruck an. Wir bedanken uns bei ihm und wünschen ihm, dass er den Wettbewerb gewinne. Mit ernster Miene mischt er sich kurz darauf wieder unter seine Mitstreiter.
Indianerinnen mit schneeweissen Zöpfen, Grossväter in Stadtkleidung, mit den Enkelkindern an der Hand, immer mehr Menschen wiegen sich in der flimmernden Hitze zu den schönen Klängen.
Am Liebsten würden wir noch viele solche bleibende Eindrücke sammeln, doch der lange Fussmarsch zurück, der vor uns liegt, lässt uns noch ein letztes Mal Indianerluft schnuppern, bevor wir uns auf den staubigen Weg zum Auto machen.
Gottlob kühlt ein Windhauch ab und zu ein Wenig. Auf der Eisenbrücke kommen uns zwei Indianer entgegen, dem Aussehen nach sind es Navajos. „Ich bin Crazy Horse! Wer bist du?“ Fragte der Eine, ein Hüne von einem Mann, mit lauter Tattoos übersät, meinen vertatterten Werni. Freundschaftlich hält ihm der Fremde seine Pranke hin. Werni begrüsst ihn nun gelassen. „Wo kommt ihr her, Guys?“ Als er mich ebenso begrüssen will, erstarre ich förmlich und strecke ihm zögernd meine Hand hin. Doch siehe da, er packt mich nicht, wirft mich auch nicht über die Brücke, wie befürchtet, sondern will, das Werni ein Foto von ihm macht. Wenn’s sonst nichts ist, ha ha! Wir lachen alle Vier. Nun will er noch ein Foto mit sich und Werni zusammen von seinem Freund machen lassen. Ich sehe schon unsere Kamera entschwinden und auch Werni winkt entschieden ab. Crazy Horse nimmt das locker, er wünscht uns alles Gute und die zwei Männer gehen laut lachend, ohne uns ein Haar gekrümmt zu haben, ihres Weges. Was man noch dazu sagen muss: An diesem Fest wird nirgends Alkohol getrunken, es ist ausdrücklich verboten. Auch die Verkäufer an der langen Strasse entlang bieten nur alkoholfreie Getränke an.
Wir laufen an streunenden Hunden vorbei, die sich jedoch sofort verdrücken, wenn wir näher kommen. Eine Ewigkeit später sehen wir unser silbernes Auto in der Sonne glänzen. Noch nie zuvor habe ich mich so sehr über einen fahrbaren Untersatz gefreut wie heute. 16:40!
Gemütlich rollen wir nach Bloomfield zurück.
Im Farmers Market, wo wir noch Einkaufen gehen, fragt mich eine Frau beim Gemüse, ob ich wisse, dass in den Nektarinen irgendwelches Ungeziefer sei? Da meine Sprachkenntnisse mich im Stich lassen, antwortete ich einfach, was mir in den Sinn kommt. Was zur Folge hatte, dass die gute Frau die herrlich reifen Nektarinen, die sie bereits zum Kauf in der Hand hielt, mit verächtlicher Miene ins Gestell zurück warf und sich anderen Früchten zuwandte. Ich verdrücke mich, bevor die Dame mich weiter befragt.
17:40. Ich steige vor dem Hotel müde aus dem Jeep. Eine Frau ruft mir etwas aus dem offenen Autofenster zu. Da ich nichts verstehe, was nicht an der Lautstärke liegt, trete ich näher an sie heran. „Von wo in Nevada kommt ihr, Guys?“ Wir aus Nevada? Ach unsere Autonummer! „Wir sind Schweizer, der Wagen ist in Nevada zugelassen. Ihr seid in diesem Fall aus Nevada?“ sage ich lachend zu dem Pärchen. „Yes, you are right!“ Wir rufen uns gegenseitig gute Wünsche zu, bevor die Beiden davon fahren.
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